Letzte Änderung: 29.03.2016

Um es vorwegzunehmen, ich bin weder ein Freund von Uli Hoeneß noch vom FC Bayern. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb habe ich die Berichterstattung im Fall Hoeneß, insbesondere auch während der vier Prozeßtage, intensiv verfolgt.

Obwohl ich in einigen Fällen Zweifel an der deutschen Justiz habe, gehe ich davon aus, daß das Urteil gerecht ist und unter Würdigung aller, der Öffentlichkeit ggf. auch nicht bekannten, Kriterien, erfolgt ist. Ob Herr Hoeneß das Urteil nur annimmt, um weiteren Nachforschungen und somit einer eventuell höheren Strafe zu entgehen, will ich und kann ich nicht beurteilen.

Was mich jedoch dazu bewogen hat, zu dem Fall Stellung zu nehmen, ist die Häme (lt. Duden Hohn, Spott, Sarkasmus, Zynismus) der aktuellen Kommentare zum Urteil. Dabei geht es nicht nur um die im Internet zu findenden Kommentare von Lesern diverser Medien. Obwohl auch hier objektive und begründete Meinungen zu finden sind, muß man doch feststellen, daß eine Vielzahl von Kommentaren, dies läßt sich teilweise schon an der "Ortograhie" (richtig Orthographie oder Orthografie) erkennen, von Personen erstellt wurden, denen ich jeglichen Intellekt aberkenne.

Beängstigender ist für mich, daß sich diverse Medien, deren Objektivität ich bis heute nicht infrage gestellt gabe, sich an dieser "Vernichtungskampagne" beteiligen. Geht man einige Zeit zurück, so sind diese diejenigen, für die Uli Hoeneß in der Vergangenheit der "Allheilsbringer" und Macher des FC Bayern war, der sich sozial engagiert hat und als Vorbild für eine ganze Generation gelten sollte. Natürlich haben sich die Vorzeichen aufgrund der Steuerhinterziehung geändert, trotzdem bin ich kein Freund von "Heute Hosianna" und morgen "Kreuzigt ihn". Selbstverständlich muß man die Einschätzung von Uli Hoeneß relativieren, die Person Uli Hoeness bleibt jedoch und hat sicherlich nicht alle positiven Charaktereigenschaften mit dem Prozeß abgelegt.





Selbstverständlich ist Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt, trotzdem wehre ich mich dagegen, Uli Hoeneß als "ganz gewöhnlichen Kriminellen" zu bezeichnen. Solange es die Möglichkeit der Straffreiheit bei Selbstanzeige gibt, sollte man mit dem Begriff "kriminell" vorsichtiger umgehen, es sei denn, die Möglichkeit der Straffreiheit bei Selbstanzeige würde künftig auch bei anderen Vergehen, wie Mord oder Totschlag, gelten.
Wenn unsere Regierung eine solche Möglichkeit anbietet, dann ist dies vielen unverständlich. Um in den Genuß von hinterzogenen Steuergeldern zu kommen, könnte man ja auch Bewährungsstrafe bei Selbstanzeige anbieten, Steuervergehen ohne Selbstanzeige würden grundsätzlich mit Haftstrafen ohne Bewährung geahndet. Die Differenzierung zwischen einem "unbescholtenen Bürger" und einem "Kriminellen" mit einem Formfehler (fehlerhafte Selbstanzeige) zu begründen, entspricht sicherlich nicht dem allgemeinem Rechtsempfinden, haben sich doch beide in gleicher Weise schuldig gemacht.

Wenn man die Höhe der hinterzogenen Steuern als Maßstab für "Vergehen" oder "Verbrechen" zugrunde legt, sollte man bedenken, daß es sich auch bei unterschiedlicher Höhe um den gleichen Tatbestand handelt. Ich gehe nicht davon aus, daß ein Steuerhinterzieher von vorn herein festlegt, in welcher Höhe er Steuern hinterziehen möchte. Gegebenenfalls hat der "kleine Steuerhinterzieher" auch keine Möglichkeit, mehr Steuern zu hinterziehen oder es fehlen ihm die dafür erforderlichen Kenntnisse.




In vielen Kommentaren wird Bezug auf die "moralische Schuld" des Herrn Hoeneß genommen. Natürlich hat Hoeneß Gelder hinterzogen, die ggf. für soziale Zwecke eingesetzt hätten werden können. Ob Sie tatsächlich dafür eingesetzt worden wären, bleibt aber dahingestellt. Ggf. wären seine gezahlten Steuern auch für andere Zwecke, wie z. B. zum Ausgleich der EEG-Subventionen verwendet worden. Insofern sind die von Hoeneß gespendeten Beträge tatsächlich sozialen Zwecken zugeführt worden.

Wenn man Sozialschmarotzer darüber definiert, daß Gelder, die für soziale Zwecke eingesetzt werden könnten, zurückgehalten oder für andere Zwecke mißbraucht werden, könnte man unsere Bundestagsabgeodneten im weitesten Sinne als Sozialschmarotzer bezeichnen, schöpfen Sie mit ihrer Diätenerhöhung doch Steuergelder ab, die für soziale Zwecke eigesetzt werden könnten. Auch das Geld, das man den Banken zur Verfügung gestellt hat, hätte man wesentlich sinnvoller einsetzen können. Wenn eine Bank mit nachgewiesenen kriminellen Machenschaften Firmen ruiniert, so daß der Inhaber auf Hartz IV angewiesen ist, so fällt dies m. E. ebenfalls unter Sozialschmarotzertum, wäre dieser doch ansonsten in der Lage gewesen, seinen Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln und nicht aus Steuergeldern zu bestreiten.




Nachstehend die Grafik mit der Hoeneß-Strafe zum Vergleich. Ich weiß nicht, welche Gründe das Gericht für die Bemessung des Strafmaßes hatte, trotzdem scheint mir unter Zugrundelegung der mir bekannten Informationen das Strafmaß nicht unbedingt angemessen.





Es scheint, als gäbe es in unserer Welt nichts Wichtigeres als Uli Hoeneß. Selbst Äußerungen, die in anderen Fällen keinerlei Reaktion hervorgerufen hätten, werden zum Anlaß für umfangreiche Reportagen genutzt.



3. Mai 2014 12:50
Hoeneß-Rede im Wortlaut "Ich habe etwas an mir entdeckt, was ich nie hatte: Hass!"

Uli Hoeneß verabschiedet sich mit teils aggressiven Worten gegen seine Gegner von den Mitgliedern des FC Bayern München. Und kündigt nach seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung eine Rückkehr an. Die Rede im Wortlaut finden Sie durch Anklicken des Logos .



Letztmalig möchte ich mit diesem "Offenen Brief" Stellung nehmen. Mir ist bewußt, daß ich damit kein Umdenken bewegen kann, aber vielleicht bemüht sich der eine oder der andere, das Ganze auch einmal aus anderer Sicht zu betrachten.

Offener Brief an Uli Hoeneß

Sehr geehrter Herr Hoeneß,

um irgendwelche Voreingenommenheit auszuschließen, betone ich, daß ich weder ein Freund von Ihnen oder dem FC Bayern war, obwohl ich nicht verhehlen möchte, daß ich mittlerweile einen Anflug von Sympathie für Ihre Person empfinde.


Aus diesem Grund habe ich auch den Prozeß von Anfang an, vielleicht sogar mit etwas Schadenfreude, verfolgt. Unabhängig von Ihren Verfehlungen, ich möchte Steuerhinterziehung nicht bagatellisieren,
kann ich die Berichterstattung in Ihrem Falle nicht nachvollziehen Laut TAZ sind seit 2010 mehr als 60.000 Selbstanzeigen bei den Behörden eingagangen, demnach haben Sie doch das gleiche Vergehen begangen wie 59.999 Personen vor Ihnen, über die man in den meisten Fällen, sofern Sie überhaupt bekannt wurden, in den Medien nur beiläufig informiert wurde.

Wie ist es möglich, durch eine öffentliche Äußerung über seine Gefühle einen solchen Shitstorm hervorzurufen ? Wieso unterstellt man jemandem, der sich zu seinen Gefühlen bekennt, fehlende Reue ?

Ich freue mich für Sie, daß Sie Ihren Gefühlen noch Ausdruck geben können und auch dazu stehen. Ich selbst habe meine Erfahrungen gemacht, vielleicht noch mit einem anderen Ausgang als bei Ihnen zu erwarten, und ich gebe zu, daß ich für manche Personen erhebliche Haßgefühle entwickelt habe. Dazu stehe ich und ich hoffe, daß Sie auch weiterhin zu Ihren Gefühlen stehen. Die Leute, die keinen Haß empfinden, können auch keine Liebe empfinden. Daß man Ihnen aufgrund Ihrer Aussage mangelnde Reue vorwirft, ist für mich nicht nachvollziehbar, schließen doch Hassgefühle Reue nicht zwangsläufig aus.

Ich weiß nicht, ob Sie diesen Brief lesen, falls ja, hoffe ich, daß er Sie in Ihrem künfigen Wirken beflügelt, aus eigener Erfahrung weiß ich, daß es Situationen gibt, in denen man froh ist, wenn man in seinem Tun bestätigt wird und sei es auch nur von wenigen, dazu noch unbekannten Personen.

Ich weiß, daß ich mich mit diesem Brief teilwiese der öffentlichen Kritik aussetze, aber ich kann dazu stehen. Ich bin stolz darauf, daß ich in meiner Vergangenheit, ob mit oder ohne Erfolg, immer zu meiner Meinung gestanden habe und werde es auch weiterhin tun.

Viele Grüße aus Bad Hersfeld und alles Gute !
Karl Schaffert



Auch, wenn jeder sieht, daß es sich um eine Fotomontage handelt, ich finde ein solches Bild unfair !