Letzte Änderung: 05.08.2015
Existenzsicherung Runder Tisch
"Unternehmen, die sich in einer Krisensituation befinden oder heraufziehen sehen, können kostenlose Beratungsleistungen erhalten. Zunächst ist eine gründliche Unternehmensdiagnose nötig, um eventuelle Schwachstellen in Ihrem Betrieb aufzudecken. Wenn in einem ersten Gespräch mit einem IHK Berater eine günstige Fortführungsprognose besteht, kommt ein regionaler Unternehmensberater aus dem Pool der KfW-Beratungsagentur zum Einsatz."

Auszüge aus dem
Beratungsprojekt “Runder Tisch”
gemeinsam durch
die Deutsche Ausgleichsbank (DtA)
die Handwerkskammer Kassel (HWK)
und die Industrie- und Handelskammer Kassel

erstellt von
Eberhard Graf von Bothmer
Management-Berater
Untersuchungszeitraum:        6. Mai bis 20. Mai 1998



...Bisher scheitert die Erhöhung der Liquidität daran, daß sowohl die Firma Schaffert-Vereinsbedarf als auch die S&Z Waffenhandel GmbH die von der Dresdner Bank AG/Filiale Marburg als Hausbank gewährten Kreditrahmen voll ausgeschöpft haben, wobei hier teilweise relativ hohe Zinsen festgelegt wurden, da es sich u. a. um sog. Barkredite zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen handelt. (Im Rahmen der Sitzung des “Runden Tisches” äußerte sich der Vertreter der Bürgschaftsbank Hessen, Herr Hahne, bei Kenntnisnahme der Zinsbelastung mit den Worten: “Ich bin ja bestürzt”, obwohl ihm die Zahlen hätten bekannt sein müssen. Bereits als sich die Liquiditätsprobleme abzeichneten, wurde mit dem Geschäftsführer der BBH, Herrn Kadau, ein Termin zu einem persönlichen Gespräch im Hause der BBH vereinbart. Nach einer Wartezeit von ca. 15 Minuten teilte man uns mit, Herr Kadau habe wegen eines Bewerbungsgespräches leider keine Zeit  Es fand dann ein Gespräch mit den Herren Hahne und Abrahamczik statt, bei dem wir feststellen mußten, daß Herr Abrahmaczik die Problematik unserer Meinung nach nicht verstanden hatte. Konkret darauf angesprochen, stellte sich heraus, daß ihm die vorab übersandten Unterlagen seitens Herrn Hahne vorenthalten worden waren. In Anbetracht der heutigen Kenntnisse über die Arbeitsweise der Bürgschaftsbank, insbesondere auch im Zusammenhang mit dem Mobbing des Herrn Abrahamczik, gehen wir davon aus, daß dies kein Versäumnis war, sondern in voller Absicht geschah.)

...Bisherige Gespräche des Geschäftsführers mit seiner Hausbank haben kein zusätzliches Entgegenkommen gefunden, obwohl auch bankseitig durchaus bekannt ist, daß beiden Unternehmen dadurch die Möglichkeit genommen wird, z. B. durch eine höhere Gewinnspanne einen besseren Ertrag zu erwirtschaften. Dadurch wäre allein schon die hohe Zins- und Tilgungsbelastung weitestgehend zu kompensieren und beide Unternehmen könnten dann später selbst eine entsprechende Liquiditätsreserve aufbauen. Diese würde dann allerdings dazu führen, daß der Hausbank auf Sicht gesehen geringere Zinseinnahmen zufließen würden, was wiederum deren Gewinn schmälern würde. Allerdings sollte seitens der Hausbank auch bedacht werden, daß das Kreditrisiko für sie durch den Aufbau einer Liquiditätsreserve durch den Kunden ganz erheblich geringer werden würde. Leider drängt sich manchmal der Eindruck auf, daß eine Bank zwar hohe Kreditrisiken scheut, andererseits aber durchaus daran interessiert ist, hohe Zinseinnahmen zu behalten. (Im Rahmen des “Runden Tisches” äußerte sich der Vertreter der Dresdner Bank AG, Herr Dennert, zwar, daß man über die Höhe der Zinsen reden könne, eine Gelegenheit dazu wurde uns jedoch nicht gegeben.)

...Das unter Punkt 3. erwähnte Beispiel,........, ist so eklatant, daß es eigentlich keinen Grund geben dürfte, eine Erhöhung der Liquidität seitens der Hausbank zu verweigern, zumal die vorhandenen Sicherheiten auch dafür ausreichen dürften. (Nach unseren Unterlagen betrugen die Sicherheiten der Dresdner Bank AG zum Zeitpunkt des Runden Tisches ca. 2,6 Mio. DM, lt. Herrn Dennert waren die Sicherheiten zu diesem Zeitpunkt lediglich 200 TDM wert. Trotz mehrfacher Nachfrage war die Dresdner Bank AG jedoch nicht bereit, die Bewertung der Sicherheiten offenzulegen oder nicht werthaltige Sicherheiten zurückzugeben.)

...Neben der zwischenzeitlich auch schon angedachten Auslagerung in eine eigene GmbH, um damit durch ein eigenes Existenzgründungsdarlehen für die neue Gesellschaft eine höhere Liquidität zu erhalten, was von der Deutschen Ausgleichsbank zwar im Prinzip zugesagt wurde, von der Hausbank aber ohne Angabe einer Begründung abgelehnt wurde, ist jetzt Herrn Schaffert durch den Berater empfohlen worden, einen Liquiditätshilfekredit im Rahmen des KfW-Mittelstandsprogrammes/Liquiditätshilfe West zu beantragen, da die Voraussetzungen für eine Inanspruchnahme durch die S&Z Waffenhandel GmbH insofern voll gegeben sind, als es zwar Liquiditätsengpässe gibt, die Zukunftsaussichten aber sehr positiv sind. (Während der Sitzung des Runden Tisches wurde die grundsätzliche Möglichkeit eines Betriebsmittelkredites von Herrn Retterath/Deutsche Ausgleichsbank nochmals betont, eine Inanspruchnahme war jedoch aufgrund der Weigerung der Dresdner Bank AG, einen entsprechenden Antrag zu stellen (Hausbankprinzip), nicht möglich.)

...Das vorhandene Personal ist qualifiziert und motiviert, noch mehr zu leisten. Es wäre sehr bedauerlich, wenn die Gesellschafter des Unternehmens wegen eines derzeit nur vorübergehenden Liquiditätsmangels langfristig gesehen zu dem Entschluß kommen müßten, aufzugeben, weil trotz intensiver Bemühungen eine Gewinnverbesserung nur deswegen nicht möglich ist, weil zu hohe Zinsbelastungen auf Dauer keine Erträge zulassen.

“Der Runde Tisch” im Hause der Firmen Schaffert-Vereinsbedarf und S&Z Waffenhandel GmbH führte zu keinem Ergebnis, da die Dresdner Bank AG die Einschaltung eines unabhängigen (!?) Unternehmens- und Sanierungsberaters wünschte. Bei der Auswahl könne man uns behilflich sein. Ein paar Tage später erhielten wir einen Anruf der Unternehmensberatung PRAGMAS, die uns mitteilte, Herr Dennert (Dresdner Bank AG) habe sie gebeten, ein entsprechendes Sanierungskonzept für uns (auf unsere Kosten !!!) zu erarbeiten. Da weder wir noch andere Teilnehmer des “Runden Tisches” von der “Unabhängigkeit” der Firma PRAGMAS überzeugt waren, haben wir darauf bestanden, daß ein von uns ausgewählter Unternehmensberater das gewünschte Sanierungskonzept erstellt. Nach längeren “Kindereien” einigte man sich darauf, daß das gewünschte Konzept gemeinsam von der Firma BFS-Consulting und der Firma PRAGMAS erstellt wurde.

Zitat aus der Ergebnisniederschrift des Herrn Borowski (IHK Kassel) der Sitzung des “Runden Tisches” am 10. September 1998 bei der Dresdner Bank AG in Frankfurt:
“Herr Schamel erläutert die von der BFS-Consulting GmbH durchgeführte Untersuchung (“Standard-Vorsorge-Untersuchung”) im Unternehmen Schaffert (die Ausarbeitung liegt den Gesprächsteilnehmern vor) und die darin vorgesehenen Maßnahmen (Beide Unternehmen ....sind nach unserer Bewertung bei Umsetzung der....genannten Sofortmaßnahmen sanierungsfähig und sanierungswürdig”.)”

Zitat aus der Ergebnisniederschrift des Herrn Borowski (IHK Kassel) der Sitzung des “Runden Tisches” am 10. September 1998 bei der Dresdner Bank AG in Frankfurt:
“Herr Kubicek und Herr Dr. Guddas beschreiben den Auftragsumfang der PRAGMAS-Unternehmensprüfung (Plausibilitäts-Prüfung des von der Firma BFS erstellten Sanierungs-Konzeptes der Firmen-Gruppe Schaffert/Zengerle und die inhaltliche Abgrenzung zur BFS-Analyse (“Als Ergebnis müssen wir erklären, daß wir zwar generelle Sanierungsmöglichkeiten sehen, jedoch nicht mit diesem Konzept”); der Pragmas-Bericht liegt ebenfalls vor.”

Weshalb die Firma PRAGMAS sich von dem Konzept der BFS-Consulting abgrenzte, bleibt uns unerklärlich, zumal das Konzept von beiden Beratern gemeinsam erarbeitet wurde. Auf die daraus zu ziehenden Schlüsse möchte ich nicht eingehen.

Zitat aus der Ergebnisniederschrift des Herrn Borowski (IHK Kassel) der Sitzung des “Runden Tisches” am 10. September 1998 bei der Dresdner Bank AG in Frankfurt:
“In der gegenwärtigen, nach wie vor kritischen Situation der Schaffert-Gruppe sei es, wie Herr Dennert die Position der Dresdner Bank  beschreibt, nicht möglich, zusätzliche Kredite (“frisches Geld”) zu geben, vielmehr sei Herr Schaffert gehalten, neue Geldgeber (außerhalb der Bank) zu suchen, z. B. durch Beteiligungen an seinem Unternehmen. Die Einbringung eines privaten Darlehens in Höhe von 100TDM veranlaßte die Dresdner Bank AG, den vereinbarten Kontokorrent-Kredit um 100TDM zu reduzieren, der Einbringung eines weiteren Betrages in Höhe von 50TDM folgte innerhalb kürzester Zeit die Kündigung aller Konten.

Zitat aus der Ergebnisniederschrift des Herrn Borowski (IHK Kassel) der Sitzung des “Runden Tisches” am 10. September 1998 bei der Dresdner Bank AG in Frankfurt:
Um die Einleitung von Maßnahmen in der nächsten Zeit zu fördern, erklärt sich die Dresdner Bank AG zu einer befristeten Zins- und Tilgungsaussetzung (ab August) bereit. In dieser Zeit müsse allerdings ein tragfähiges Sanierungskonzept erkennbar werden und “heranwachsen”. Herr Kadau signalisiert die (formal nowendige) Zustimmung der Bürgschaftsbank zu der Aussetzung von Zins- und Tilgungszahlungen.Wie an anderer Stelle erwähnt, wurde die vereinbarte Zins- und Tilgungsaussetzung nie eingehalten. Lediglich durch Zufall haben wir feststellen können, daß bestehende Darlehen mit einer entsprechenden Valuta versehen waren, jedoch ohne daß man auf die Abbuchung von Zins und Tilgung verzichtet hätte.

Wie bereits im Vorfeld befürchtet, bestand seitens der Dresdner Bank AG überhaupt kein Interesse an einem Sanierungskonzept, die Kosten dafür sollten lediglich dazu dienen, die fehlende Liquidität noch mehr einzuschränken. Dies ist nicht nur unsere Schlußfolgerung, sondern wurde mittlerweile auch von anderen Teilnehmern des Runden Tisches bestätigt. Weshalb sonst hätte man, unmittelbar, nachdem das ausdrücklich gewünschte Sanierungskonzept vorlag und sowohl die Firma BFS-Consulting als auch die von der Dresdner Bank AG gewünschte Unternehmensberatung PRAGMAS gleichlautend Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit bestätigten, das Gespräch abbrechen, gleichzeitig aber ein drittes Konzept fordern sollen ?