Letzte Änderung: 21.08.2017

Schon zu meiner Jugendzeit hatte ich Probleme mit meiner Vorliebe zu volkstümlicher Musik. Gerne erinnere ich mich an die Frage eines Mitschülers im Internatspädagogium Bad Sachsa, ob sie mein Mitbewohner Reiner Wolf noch "alle habe", als er auf der einen Seite unseres Zweibettzimmers (in der 13. Klasse genossen wir den Vorzug eines Zweibettzimmers) ein Plakat mit Ernst Mosch und den Original Egerländer Musikanten und auf der anderen Seite ein Poster mit Jimi Hendrix bemerkte. Als ich ihm klarmachte, daß das mein Bett war, kam die Frage, weshalb ich das nicht einfach abreisse. Auf die Antwort, daß ich dieses Plakat selbst aufgehangen habe, fiel ihm nichts anderes ein als die Bemerkung "Du ist doch sonst ganz normal".

Das war nicht meine einzige "Erfahrung" mit meinem Musikverständnis. Obwohl seinerzeit nicht immer zum Lachen, gab es doch einige Begebenheiten, über die ich heute schmunzeln kann. So kam mir z. B. von unserem Internatsleiter, Herrn Karl Merboth, die Ehre zuteil, zu einem volkstümlichen Konzert in der Kurmittelhalle ausnahmsweise zu dieser Zeit Ausgang zu erhalten. An der Kasse wurde mir, derzeit mit Haaren bis über die Schultern, erklärt, daß man mich nicht einlassen wolle, da ich "ja doch nur Ärger machen wolle". Gerne erinnere ich mich auch an die Zeiten, als man in den Kneipen seine Musik an der Box noch selbst aussuchen konnte, sei es im BÖRSENSTÜBCHEN beim Heinrich, in der STADTSCHÄNKE beim Bodesse Hans und der Margot oder beim Köhler Karl im AUERHAHN. Daß zu meiner Zeit in der Gaststätte "Zum Bubi" die Musikbox bevorzugt mit deutscher Volksmusik bestückt war, versteht sich von selbst.

Vor einiger Zeit fand ich eine Lose-Blatt-Sammlung mit Liedertexten, die ich vor mehr als 22 Jahren mal niedergeschrieben habe. Zumindest das Vorwort möchte ich Ihnen nicht vorenthalten :

VOLKSLIEDER SIND OUT ?

Sicherlich hat die heutige Jugend andere Idole als die Jugend zu unserer Zeit, wie sich in jeder Generation der Zeitgeschmack ändert. Trotzdem bezweifle ich, daß die heutige Generation keinerlei Interesse an volkstümlichen Dingen zeigt, daß nach ihrer Meinung Tradition, Althergebrachtes nicht mehr zeitgemäß ist.
Vielleicht liegt das Desinteresse der heutigen Jugend nicht an ihr selbst, sondern an der Generation, die es nicht fertiggebracht hat, diese Dinge zu überliefern, weil sich daraus kein finanzieller Vorteil schlagen läßt, der nun doch fast überall im Vordergrund steht ?
Ich erinnere mich gern an die Zeit, als wir, vielleicht auch aus Mangel an anderer Gelegenheit, in der Kneipe saßen, froh waren, zu den Älteren dazugehören zu dürfen, und bedächtig jedem Lied lauschten, das schon zu der Zeit nur singend an die Jüngeren weitergegeben wurde. Wie oft haben wir, wenn wir ein uns unbekanntes Lied gehört haben, später zusammengesessen und versucht, den Text rauszukriegen. Bei jeder Gelegenheit wurde versucht, auch wenn die stimmlichen Qualitäten fehlten, zumindest den Text aufzuschnappen.

VOLKSLIEDER SIND IN !

Oft habe ich erlebt, daß die heutige Jugend, auch wenn nur zwanzig oder dreißig Jahre Altersunterschied dazwischen liegen, bei geselligen Anlässen versucht hat, ein Lied anzustimmen, und nach dem ersten Refrain nur noch mitgesummt wurde, bis der "Gesang" gänzlich wegen des fehlenden Textes eingestellt wurde.
Neben dem Spaß an Volksliedern selbst und den damit verbundenen Erinnerungen ist dies der Grund, weshalb ich mich bemüht habe, die mir bekanntesten Lieder niederzuschreiben. Sollten die Texte nicht immer mit den Erinnerungen übereinstimmen, denken sie daran, daß diese teilweise in mehreren Versionen überliefert wurden. Ich hoffe jedoch, daß sie ggf. Ihrem Gedächtnis "auf die Sprünge" helfen. Sollte Ihnen zu dem einen oder anderen Lied ein anderer Text einfallen, hat sich die Mühe, die Texte niederzuschreiben, schon gelohnt. Vielleicht haben Sie durch diese Sammlung die Möglichkeit, die vokstümlichen Weisen, wie sie vor Jahren fast überall bekannt waren, in der Ihnen bekannten Version weiterzugeben.
Ich hoffe, daß diese Lieder dazu beitragen, die Geselligkeit wieder so gesellig zu machen, wie wir sie aus "unserer Zeit" kennen.

Ich hoffe, es gibt noch Leute, die sich an nachstehende Lieder erinnern :

Am Golf von Biskaya
Ännchen von Tharau
Aus grauer Städte Mauern
Das arme Dorfschulmeisterlein
Das schönste Blümlein auf der Welt
Die blauen Dragoner
Droben im Oberland
Drunten im Unterland
Du, du liegst mir im Herzen
Ein Heller und ein Batzen
Einst ging ich am Strande der Fulda entlang
Es steht eine Mühle im Schwarzwälder Tal
Es zog beim hellen Mondenschein (Das Heeneser Schützenlied)
Fern bei Sedan
Gefangen in maurischer Wüste
Gold und Silber
Guter Mond.du gehst so stille
Hohe Tannen weisen die Sterne
Ich bin der Bub vom Hessenland
Ich hatt´ einen Kameraden
Im grünen Wald, dort wo die Drossel singt
Im Krug zum grünen Kranze
Im Wald, im grünen Walde
Im schönsten Wiesengrunde
In einem kühlen Grunde
In einem Polenstädtchen
In Junkers Kneipe
Jenseits des Tales
Kehr ich einst zur Heimat wieder
Kein schöner Land
Lustig ist das Zigeunerleben
Mein Vater war ein Wandersmann
Müde kehrt ein Wandersmann zurück
Nach der Heimat geht mein stilles Sehnen
Nach meiner Heimat zieht´s mich wieder
Schön ist die Jugend
Schwarzbraun ist die Haselnuß
Schwer mit den Schätzen des Orients beladen
Sollt ich denn mein blutjunges Leben
Steig ich den Berg hinauf
Uns scheint der Mond so hell
Unter Erlen steht ´ne Mühle
Von den Bergen rauscht ein Wasser
Waldeslust
Was schleicht dort im nächtlichen Walde
Wenn des Sonntag´s früh um viere
Westerwaldlied

Fast jedes Lied ist mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Ich erinnere mich genau, daß ich das Lied "Das arme Dorfschulmeisterlein" zum ersten Mal von Lehrer Kallée anläßlich des Geburtstags meines Onkels Heinrich Völker in Asbach gehört habe !

Ich würde mich freuen, wenn die Liste von dritten Personen ergänzt würde.

Daß auch "deutsches Liedgut" wieder mehr Beachtung erfährt, läßt sich mittlerweile auch im Internet feststellen. Suchen Sie bei Google nach "Müde kehrt ein Wandersmann zurück" und Sie finden 8.010 Ergebnisse !

Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben, empfehle ich Ihnen folgenden Link : Volkslieder.
Sollten Sie sich einmal eine CD mit deutschen Liedern gönnen wollen, beachten Sie die CDs des Burgenland Duos mit Verena.


Nachstehend ein Lied, das aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen zu meinen Lieblingsstücken gehört !

Nach meiner Heimat zieht´s mich wieder

Nach meiner Heimat ziehts mich wieder
es ist die alte Heimat noch:
Dieselbe Lust, die selben frohen Lieder
und alles ist ein andrer Ort.
Die Wellen rauschen, so wie einst vor Jahren,
im Walde springt wie einst das Reh.
Von Ferne hört man Heimatglocken läuten,
die Berge glänzen weiß wie Schnee.
Am Waldesrand steht eine Hütte,
die Mutter ging dort ein und aus.
Jetzt schauen fremde Menschen aus dem Fenster
es war einmal mein Elternhaus.